“Wow, I am so honored to be accepting this award on behalf of our film UNION TOWN. This is amazing news and it’s deeply meaningful that the film and the people represented can be recognized in this way at DOK Leipzig.”
Das war die erste Reaktion von Barbara Kopple, der Filmemacherin des diesjährigen Preisträgers des Leipziger Rings. Sie schließt mit „Union Town“ ihre Trilogie über Arbeitnehmer*innenrechte ab. Die Jury wählte „Union Town“ zum besten Film des Wettbewerbs – ein Film, bei dem nicht nur filmerisch alles auf höchstem Niveau stimmt. „Union Town“ erzählt nah an den Menschen vom harten New Yorker Arbeitskampf in der Lieferbranche, ohne dabei die Gewerkschaftsarbeit zu glorifizieren. Kopple leuchtet die Arbeits- und Lohnbedingungen von Beschäftigten bei UPS, Amazon und in den Liefer-Apps und zeigt zugleich die Menschen, die Pakete, Essen und manchmal auch lebenswichtige Medikamente liefern. Die Skrupellosigkeit und Kälte der großen Konzerne lassen dagegen das Publikum förmlich sprachlos zurück: Überall gibt es große Defizite in Bezug auf Arbeitssicherheit, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und faire Entlohnung. Vor allem die Deliveristas auf ihren Mopeds und Fahrrädern sind dem System sowie dem Großstadtverkehr bei Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert. Aber es gibt Hoffnung, wenn auch kein Happy End, denn der Film zeigt auch, dass aus der Gemeinschaft heraus die Kraft zur Veränderung entsteht. Und so urteilt die Jury in Begründung:
„Union Town“ entwickelt von der ersten Sekunde einen Sog. Er zeigt Menschen, die nicht nur in New York täglich unter prekären Bedingungen an unsere Haustür liefern. In der Gemeinschaft entdecken die Arbeiter:innen ihre Kraft. Die 80-jährige Barbara Kopple erzählt meisterhaft von der Wut der Deliveristas gegen Amazon & Co. mit Humor und starken Bildern. Ein packender Film, der liefert.
„Union Town“ erinnert daran, dass auch hier hinter jeder Lieferung ein Mensch steht – eine Einsicht, die nach dem Abspann noch lange nachwirkt, zumal auch in Deutschland die Fahrer*innen der App-Lieferdienste für ihre Arbeitsrechte kämpfen.
Barbara Kopple | USA | 2026 | 106 Minuten | Englisch, Spanisch
„New York City ist die Stadt, in der alles möglich ist – auch dass du nur einen Gehaltscheck davon entfernt bist, pleite zu sein. So geht es den Arbeiter*innen von Amazon, UPS und verschiedenen Liefer-Apps. Täglich liefern sie Millionen Pakete und Bestellungen in der Stadt aus, doch bleiben als Menschen hinter dieser Arbeit oft unsichtbar. Nach den Oscar-prämierten Filmen „Harlan County, USA“ und „American Dream“ vervollständigt „Union Town“ Barbara Kopples Trilogie über Arbeitnehmer*innenrechte. Über drei Jahre begleitet sie die Arbeiter*innen in ihrem Kampf gegen einige der mächtigsten Konzerne der Welt. Während UPS-Fahrer*innen und Amazon-Beschäftigte auf Streiks und gewerkschaftliche Organisierung setzen, versuchen auch die überwiegend migrantischen Fahrradkurier*innen der Liefer-Apps, sich zusammenzuschließen. Sie alle kämpfen für gerechtere Löhne, sichere Arbeitsbedingungen und die Anerkennung ihrer Arbeit. Für die Konzerne sind sie entbehrlich, doch als Union geeint lehnen sie sich auf. Zwischen Existenzangst, familiären Sorgen und dem Mut zum Streik zeigt sich, was Solidarität und Gemeinschaft bewirken kann.“
Nach dem Film gab es im foyer der Passage Kinos bei einem Getränk die Gelegenheit zum Gespräch.
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