Porträt einer jungen Frau, als Projektleiterin der Revolutionale bei der Stiftung Friedliche Revolution tätig

„Demokratie entsteht dort, wo Menschen aktiv werden“

5 Fragen an Projektleiterin Marie Schwarz zur Revolutionale 2026

Nach einem erfolgreichen Festival für Veränderung im Herbst 2024, geht die Revolutionale in diesem Jahr weiter. Unter dem Motto „Democratic Memories – Democratic Futures“ legt das Projekt im Rahmen des Internationalen Runden Tischs im Oktober 2026 das Augenmerk auf historische Erfolge sowie aktuelle Herausforderungen der Zivilgesellschaft. Daraus entwickeln wir Perspektiven für die Gestaltung unseres zukünftigen Miteinanders.

Initiiert durch die Stiftung Friedliche Revolution ist der Internationale Runde Tisch ein einzigartiges Projekt, um lokale und internationale Aktivist*innen für Menschenrechte und offene Gesellschaften zu vernetzen, zu stärken und ihre Anliegen sichtbar zu machen. Die Teilnehmenden aus Ostdeutschland sowie aus Belarus, der Ukraine, Armenien, Georgien und weiteren post-kommunistischen Ländern kommen in Leipzig in einem sicheren und geschützten Rahmen für einen persönlichen und intensiven Austausch zusammen.

Projektleiterin Marie Schwarz spricht im Interview über ihre Vision der diesjährigen Revolutionale und worauf wir uns vor allem in diesem Oktober freuen können.

Projektleiterin der Revolutionale - Marie Schwarz - im Interview
Marie Schwarz: „In der aktuellen Situation sind sichere Räume kein 'nice to have', sondern eine Voraussetzung für demokratisches Engagement."

Marie, seit vergangenen November bist du Teil des Revolutionale-Teams. Was hat dich persönlich dazu bewegt, die Projektleitung zu übernehmen?

Mich motiviert, Zivilgesellschaft einen Raum zu geben. Die Revolutionale ist ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, die unter sehr unterschiedlichen politischen Bedingungen für Demokratie, Menschenrechte und eine offene Gesellschaft kämpfen. Diese Vielfalt empfinde ich als große Stärke. Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen, voneinander zu lernen und solidarische Netzwerke aufzubauen, das ist gerade in den aktuellen globalen Krisen unglaublich wichtig.

Warum brauchen wir – vielleicht auch gerade jetzt – sichere Räume für Menschenrechte und demokratischen Austausch?

Weltweit steht die Zivilgesellschaft zunehmend unter Druck. Autoritäre Regime gewinnen an Einfluss, Russland führt einen Angriffskrieg in Europa und Desinformation fordert unsere Demokratie heraus. Zudem sind viele Aktivist*innen gezwungen im Exil zu leben oder unter hohem persönlichem Risiko zu arbeiten. In dieser Situation sind sichere Räume kein „nice to have“, sondern eine Voraussetzung für demokratisches Engagement. Sie ermöglichen es, Erfahrungen zu teilen, Strategien zu entwickeln und Solidarität zu erleben. Der Austausch von Perspektiven schafft eine Kraft, die weit über den einzelnen Dialog hinausgeht.

Welchen thematischen Schwerpunkt setzt der Internationale Runde Tisch 2026?

Erinnerung schafft Zukunft. Aus diesem Grund steht der diesjährige Internationale Runde Tisch im Rahmen der Revolutionale unter dem Motto ‚Democratic Memories – Democratic Futures‘. 2026 verbinden wir die Erinnerung an demokratische Kämpfe mit dem Blick nach vorn. Wir wollen fragen: Was bedeutet Erinnerung von unten? Und wie können uns diese Erfahrungen helfen, die Demokratie von morgen zu gestalten? Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr auf Umwelt- und Demokratiebewegungen. 40 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl bringen wir Umweltaktivist*innen der 1980er-Jahre mit heutigen Bewegungen wie Fridays for Future zusammen. Dabei geht es nicht nur um Rückblick, sondern um die Frage, wie ökologisches Engagement und demokratische Teilhabe zusammenwirken können.

Die Revolutionale 2024 auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz, Foto: ESDEO Eventfotografie

Welche Rolle spielt Leipzig für die Revolutionale und den Internationalen Runden Tisch?

Leipzig ist die Stadt der Runden Tische. 1989 hat sie eindrucksvoll gezeigt, wie Dialog, Beteiligung und ziviler Mut politische Veränderungen möglich machen. Diese Tradition prägt die Revolutionale bis heute. Leipzig ist für uns nicht nur Veranstaltungsort, sondern ein Symbol für lebendige Demokratie und was wir verlieren, wenn sie auf dem Spiel steht. In dieser Stadt wollen wir Räume öffnen, in denen Menschen aus verschiedenen Ländern und Lebensrealitäten gemeinsam über ihre Zukunft nachdenken und sie aktiv mitgestalten.

Worauf dürfen sich Leipziger:innen bei der Revolutionale 2026 freuen – und was können sie für ihr eigenes demokratisches Handeln mitnehmen?

Leipziger*innen können sich auf internationale Begegnungen, offene Diskussionen und ein spannendes Kulturprogramm freuen. Denn auch in Kunst und Kultur wollen wir die Frage stellen, wie eine plurale Erinnerungskultur aussehen kann. Die Revolutionale ist ein Ort des Zuhörens, des Lernens und der gegenseitigen Stärkung. Wer teilnimmt, nimmt nicht nur Eindrücke mit, sondern auch Mut: den Mut, sich einzumischen und Verantwortung zu übernehmen. Demokratie entsteht dort, wo Menschen aktiv werden, genau dazu wollen wir ermutigen.

Marie Schwarz im Gespräch mit Tim Bohse vor der Filmvorführung von "A Simple Soldier"
Revolutionale-Auftakt in der Leipziger Schaubühne Lindenfels: Marie Schwarz im Gespräch mit Tim Bohse zur ukrainischen Zivilgesellschaft im Krieg

Vielen Dank für das Gespräch.

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