Kostenfreies Filmscreening zum Gedenktag
Am 20. Juni wurde der Leipziger Nikolaikirchhof zu einem besonderen Ort des Erinnerns und des Austauschs. Anlässlich des Gedenktages für die Opfer von Flucht und Vertreibung zeigte die Revolutionale der Stiftung Friedliche Revolution die beiden preisgekrönten Dokumentarfilme „Einhundertvier“ und „Moria Six“ – kostenfrei und mitten im öffentlichen Raum. Die Filme erzählen von lebensgefährlichen Fluchtrouten, von Seenotrettung, von Entrechtung und von Menschen, deren Geschichten in politischen Debatten oft unsichtbar bleiben. Unser Anliegen war es, diese Geschichten aus dem Kinosaal auf den Platz zu bringen, wo Menschen zufällig vorbeikommen, stehen bleiben und hinschauen.
Öffentlicher Raum als Ort des Austauschs und der Auseinandersetzung
Schon während des Aufbaus sorgte die große LED-Leinwand auf dem Nikolaikirchhof für Aufmerksamkeit. „Was ist das denn für ein Event hier?“, fragten Passant*innen neugierig, während Stühle aufgestellt, Technik eingerichtet und die letzten Vorbereitungen getroffen wurden. Trotz sommerlicher Temperaturen nutzten viele Besucherinnen und Interessierte den Schatten der Nikolaikirche, blieben stehen und verfolgten Ausschnitte der Filme oder kamen mit uns ins Gespräch.
Im anschließenden Filmgespräch sprachen Regisseur und Grimme-Preisträger Jonathan Schörnig sowie Nolte Bauer, Vorsitzender von Mission Lifeline, über die Entstehung des Films, persönliche Erfahrungen aus der Seenotrettung und die Verantwortung von Zivilgesellschaft und Politik angesichts humanitärer Krisen.
Übergabe des Filmpreises „Leipziger Ring“
Die Stiftung nahm das Filmscreening zugleich zum Anlass, dem Regisseur Jonathan Schörnig und dem Produzenten Adrian J. Then von „Einhundertvier“ den bereits verliehenen Filmpreis „Leipziger Ring“ persönlich zu überreichen. Mit dem Filmpreis zeichnet die Stiftung jährlich im Rahmen des DOK Leipzig einen Dokumentarfilm aus, der sich in besonderer Weise mit Demokratie, Freiheit, Menschenrechten oder gesellschaftlichem Wandel auseinandersetzt.
„Einhundertvier“ erhielt die Auszeichnung bereits 2023. Der Film dokumentiert in Echtzeit die Rettung von 104 Menschen aus dem Mittelmeer und macht eindrucksvoll sichtbar, unter welchen Bedingungen Flucht stattfindet und welche Verantwortung Einzelne übernehmen, wenn politische Lösungen ausbleiben.
Das Open-Air-Kino hat im wahrsten Sinne des Wortes Aufsehen erregt. Es ist uns gelungen, diese eindringlichen Geschichten dorthin zu bringen, wo gesellschaftlicher Austausch stattfindet: mitten in die Stadt. Erinnern bedeutet nicht nur zurückzublicken. Erinnern heißt auch hinschauen.
Die Revolutionale ist ein Projekt der Stiftung Friedliche Revolution zur Stärkung des zivilgesellschaftlichen Engagements für Menschenrechte, Demokratie und gesellschaftlichen Wandel. Ziel ist es, mit der Friedlichen Revolution von 1989 als Basis unserer Werte Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Kultur und Demokratiearbeit zu vernetzen und internationale Freiheits- und Demokratiebewegungen sichtbar zu machen.
Diese Maßnahme wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie leben! und mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.