„Jeder Mensch ist interessant und hat etwas zu erzählen“

Ein Gespräch mit Beate Tischer zum FrauenLiteraturSalon

Liebe Beate, schön, dass du heute hier bist! Wir freuten uns sehr, als du auf uns – die Stiftung Friedliche Revolution – zukamst und fragtest, ob wir zukünftig nicht gemeinsam mit dir und Beatrix Stark sowie der Nikolaikirchgemeinde den FrauenLiteraturSalon ausrichten wollen. Im Herbst zieht der Salon nun unters Dach der Stiftung Friedliche Revolution. Aber was ist der FrauenLiteraturSalon eigentlich?

Beate Tischer: Das Ganze ist schnell erzählt: Ich machte damals, während meiner Zeit an der VHS, eine Weiterbildung…. und aus dieser Weiterbildung heraus ist das Projekt entstanden. Ich traf dann Susanne Scharf von der Frauenbibliothek MonaLiesa – das war 2011, 2012 – und wir kamen ins Gespräch, und so entwickelte sich die Idee des Salons. Der lehnt sich an die Frauensalons von vor etwa 200 Jahren an. Das waren damals ja oft jüdische Frauen, die bei sich zu Hause Literatur, Musik und Gespräch gepflegt haben. Wir fokussieren uns aber mehr auf die Literatur.

Seit 2012 treffen wir uns jetzt – mit einem Jahr Unterbrechung –, und der Salon ist nur für Frauen. Das Format hat sich mit der Zeit gewandelt und weiterentwickelt. Seit einigen Jahren ist das Format dreigeteilt: Zuerst gibt es den „Input“ mit Lesung und dazu gibt es immer eine „Praline“, eine kleine Kostbarkeit, die zum Thema passt. Dann kommt das „Wandeln“ –  man bewegt sich, es gibt Snacks und Getränke und … gute Gespräche. Und dann folgt das „Gespräch mit der Gast-Salonière“. Da waren schon ganz interessante Frauen dabei: Beate Mitzscherlich, Beate Schücking, Jutta Schaarschmidt, Skadi Jennicke oder Gesine Oltmanns um einige zu nennen. Wir mischen bewusst bekannte und auch weniger bekannte Leipziger Persönlichkeiten – weil ich finde: Jeder Mensch ist interessant und hat etwas zu erzählen. Durch die offene und zugleich intime Gesprächsatmosphäre unter Frauen bekommen wir ganz persönliche Einblicke.Es entsteht eine besondere Atmosphäre.

J. Kunert im Gespräch mit B. Tischer

Am 6. November findet die 30. Ausgabe unter dem Motto „Neue Wege“ statt. Warum dieses Thema – und welche Themen gab es davor?

Beate Tischer: Die Namen der Abende sind bewusst möglichst weit gefasst… . „Neue Wege“ passt jetzt ganz besonders gut, weil wir tatsächlich neue Wege gehen: ein neuer Ort und neue Partnerinnen mit der Stiftung und der Nikolaikirche. Und mit Beatrix Stark haben wir auch eine neue Stamm-Salonière. Beatrix und ich, wir kennen uns durch die Arbeit am Podcast „Ein.Blick“ schon sehr gut. Ich freue ich mich riesig auf die Zusammenarbeit mit ihr.

Wir sind offen für Veränderung und Wandel – nach jedem Salon setzen wir uns zusammen und werten intern aus. Dann beginnt nächste Planung, die wir  immer im Dialog machen.

Wie findest du – oder findet ihr – eigentlich eure Gast-Salonière?

Beate Tischer: Ja, das ist unterschiedlich. Manchmal kommt einem etwas unter, wenn man mit Leuten spricht oder irgendwo zuhört. Und oft erhält man auch Hinweise und Tipps von anderen – die Frauen kennen ja auch immer jemanden, der jemanden kennt. Auch hier gucken wir, dass unterschiedliche Bereiche abgedeckt werden, dass nicht immer dieselbe Richtung im Salon steht.

Wie bist du selbst zur Salonière geworden – und was verbindet dich mit dem Begriff?

Beate Tischer: Also, die Salonière ist erst einmal die Gastgeberin. Sie organisiert alles, sie lädt ein, sie gestaltet den Rahmen. Bei mir hat das Ganze an der Volkshochschule angefangen, da fing ich damit an. Und der Freitagabend, der ist gesetzt – der ist für viele Frauen das Einläuten ins Wochenende. Wenn man nach dem Salon noch nach Hause geht, dann startet man richtig ins Wochenende. Das ist über die Jahre einfach so gewachsen.

Du bist nun nicht mehr berufstätig und machst trotzdem weiter. Was treibt dich an? Warum machst du das weiter?

Beate Tischer: Ja – warum mache ich das weiter? (lacht) Ich habe selbst unglaublich viel Spaß daran, das ist das Wichtigste. Ich lerne sehr viel dabei, mit jedem Gast wieder. Und ich finde es einfach schön, dass sich die Frauen bei uns wohlfühlen. Über die vorgestellten Bücher erreicht man eine Menge – das ist, wie ich immer sage: politische Bildung so leichtfüßig. Und es ist keine einheitliche Blase – da treffen sich Frauen, die sich sonst nie getroffen hätten. Das ist meine Antriebsfeder.

Warum ist die Stiftung Friedliche Revolution eine gute neue Partnerin für den FrauenLiteraturSalon?

Beate Tischer: Das ging mit der Stiftung recht schnell und unkompliziert – und das ist mir wichtig. Die Stiftung hat sich auf die Fahne geschrieben, nicht nur  historisch zu arbeiten, sondern auch die Gegenwart und Zukunft im Blick zu haben: Stärkung der Demokratie, „Hineinstrahlen“ in die Stadtgesellschaft, Verknüpfung unterschiedlicher Generationen … So ähnlich sind auch die Argumente der Nikolaikirchgemeinde. Sie war für mich in den 80er Jahren das schützende Dach, als ich in der Basisgruppe Frauen für den Frieden aktiv war. Heute singe ich im Chor der Nikolaikirche, da schließt sich für mich der Kreis. Manchmal kommen einfach die Dinge zusammen, weil sie zusammengehören und ich bin sehr dankbar für diese unkomplizierte Zusammenarbeit.

Jetzt startet das neue Kapitel – am 6. November, unter dem Motto „Neue Wege“. Herzlich eingeladen sind alle Frauen!

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