Demokratie braucht freie Presse

Ein Abend mit Bettina und Hans-Jürgen Röder

Zum Tag der Demokratiegeschichte am 18. März waren wir im Leipziger Traditionskaffeehaus Riquet zu Gast und sprachen mit Bettina und Hans-Jürgen Röder über den Vorabend der Friedlichen Revolution. Sie nahmen uns mit in die DDR der 1980er-Jahre – in eine Zeit, die vielen heute fremd oder kaum noch bekannt ist. Dabei erfuhren wir viel über die Rolle der Kirche(n), über Journalismus sowie über die (Un-)Freiheit der Presse in der DDR.

Hans-Jürgen Röder, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feierte, war ab 1975 Redakteur der West-Berliner Zeitschrift „Kirche im Sozialismus“. Von 1979 bis 1989 arbeitete er anschließend als epd-Korrespondent in der DDR. Über Jahrzehnte prägte er nicht nur die kirchenpolitische Berichterstattung und begleitete intensiv die Zeit der Friedlichen Revolution. Nach 1989 baute er den epd-Landesdienst Ost mit auf.

In der DDR lernte er seine spätere Frau Bettina kennen, die aus Dresden stammt und ebenfalls als Journalistin tätig war – unter anderem für die in der DDR mehrfach verbotene Zeitung „Die Kirche“. Nach der Friedlichen Revolution arbeitete sie viele Jahre für die christliche Wochenzeitung Publik-Forum.

Beide sind der Stiftung Friedliche Revolution seit ihrem Beginn auf engste Verbunden und bis heute aktiv. 

Im Gespräch wurde deutlich, wie wichtig eine freie und unabhängige Presse ist, welchen Wert sie für die Demokratiegeschichte hatte und wie entscheidend sie auch heute für unsere Demokratie bleibt. Bettina und Hans-Jürgen Röder erinnerten eindrücklich daran, dass es in der DDR keine freie Presseberichterstattung gab – und wie unverzichtbar unabhängige Medien für freie Meinungsbildung und demokratische Wahlen sind.

Als „schmerzlich“ beschrieb Bettina Röder die Zeit nach der Wiedervereinigung, in der kleine alternative ostdeutsche Zeitungsverlage gegen große Medienkonzerne kaum eine Chance hatten. Dadurch wurde eine vielstimmige Berichterstattung über den Osten zunehmend verdrängt. Der Vergleich zu heutigen Tech-Giganten und die Frage, wie demokratisch soziale Medien tatsächlich sind, drängten sich dabei beinahe zwangsläufig auf.

Vier Journalisten im Gespräch: Pierre Gehmlich & Björn Menzel sowie Bettina & Hans-Jürgen Röder

Die beiden sprachen außerdem über die Rolle der Kirche in der DDR. Dabei wurde deutlich: „die Kirche“ gab es nicht. Vielmehr bestanden große Unterschiede zwischen den Gemeinden und kirchlichen Akteuren. Dort, wo Menschen aus ihrem christlichen Glauben heraus – so Bettina Röder – Verantwortung für andere übernahmen und mutig wurden, entstanden Räume des freien Wortes, des Austauschs und geschützte Rückzugsorte für oppositionelle Gruppen. Kirchen boten damit wichtige Entwicklungsräume für die Opposition in der DDR, auch wenn sie selbstverständlich nicht die einzigen Orte des Widerstands waren.

Und schließlich erfuhren wir auch von der persönlichen, beinahe unmöglich erscheinenden Liebesgeschichte der beiden: vom Glück des Mauerfalls und vom vergessenen Film in der Kamera, der ihre gemeinsame Nacht am 9. November 1989 unter dem Brandenburger Tor eigentlich festhalten sollte.

Unser Dank gilt der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte, die diese Veranstaltung mit ihrer Unterstützung ermöglicht hat.

Ebenso danken wir Pierre Gehmlich und Björn Menzel für die einfühlsame und anregende Gesprächsführung.

Der Tag der Demokratiegeschichte ist eine Initiative der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Orte der Demokratiegeschichte. Schirmherr ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die Veranstaltung wird von der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte gefördert.

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