Revolutionale im Treibhaus Döbeln
Wie steht es um unsere Demokratie vor Ort? Und wer hält sie im Alltag am Laufen?
Im Treibhaus e.V. in Döbeln wurde am 20. Mai nicht nur gelesen, sondern vor allem diskutiert. Im Mittelpunkt stand das Buch „Extremwetterlagen. Reportagen aus einem neuen Deutschland“ – ein Band von vier Autor*innen, der aktuelle gesellschaftliche Spannungen, politische Verschiebungen und persönliche Erfahrungen vor allem in Ostdeutschland zusammenführt. Mitautor Alexander Leistner war als Vertreter zu Gast und gab einen persönlichen Einblick in das Buchprojekt.
„Ausgeschwärmt“ durch Ostdeutschland
2024 startete ein ungewöhnliches literarisch-soziologisches Projekt. Mit Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault wurden drei namhafte Autorinnen als „Überlandschreiberinnen“ ausgeschickt, um die Stimmung in Ostdeutschland zu ergründen. Für die gemeinsame Reportagensammlung waren sie vor zwei Jahren in Sachsen, Brandenburg und Thüringen unterwegs. „Tina Pruschmann fuhr mit dem Fahrrad einmal durch Sachsen – aber nicht mit dem E-Bike.“, betonte Alexander Leistner in Bezug auf die nicht nur thematisch herausfordernden Recherchereisen. Die drei seien „ausgeschwärmt“ und hätten Geschichten „rund um das Kippen der Demokratie“ geschrieben. Dabei ging es nicht um schnelle Antworten oder fertige Lösungen, sondern um genaues Hinsehen.
Literatur als Mittel zum Verstehen
Alexander Leistner ist sich sicher, dass „man mit schriftstellerischen Mitteln mehr sieht.“ Literatur könne Zusammenhänge sichtbar machen, die in politischen Debatten und wissenschaftlichen Analysen oft verloren gingen.
Die Entstehung des Buches sei bewusst offen angelegt gewesen. „Nicht nach dem Motto: Schreib du das, und du schreibst das. Sondern: Guck mal!“, so die Beschreibung Leistners. Aus Beobachtungen, Begegnungen und Gesprächen entstanden so Geschichten aus einem Deutschland im Wandel.
Ein zentraler Gedanke des Abends war die Frage nach gesellschaftlichen Kipppunkten. „Ein Kipppunkt ist zum Beispiel der Moment, in dem sich die Rollen sichtbar verschieben: Nicht mehr die eine Seite muss sich rechtfertigen, sondern die andere.“, so Alexander Leistner im Gespräch mit Moderatorin Marie Schwarz.
Geschichten, die Mut machen
Der Abend machte deutlich: Das Buch versteht sich nicht als Rezeptebuch. Vielmehr soll es Gespräche anstoßen und „ein Mittel sein, mit dem wir ins Gespräch gehen“, betonte Alexander Leistner, der zwei Passagen aus dem Buch las. Im Zentrum stand jedoch vor allem der Austausch miteinander und der Wunsch danach, sich gute und hoffnungsvolle Geschichten zu erzählen. Geschichten, die Orientierung geben – und Mut machen.
Wir danken dem Treibhaus e.V. in Döbeln für die Kooperation und den gemeinsamen Abend.
Die Revolutionale der Stiftung Friedliche Revolution wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.